Annalist http://infosyndikat.de News aus ihrem Blog zu Überwachung de Sun, 04 Jan 09 02:58:08 +0100 Sun, 04 Jan 09 02:58:08 +0100 BKA-Ratespielchen rund um GnuPG http://annalist.noblogs.org/post/2009/01/04/bka-ratespielchen-rund-um-gnupg <p> Kann die Verschl&uuml;sselungssoftware PGP/<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gnupg">GnuPG</a> wirklich davor sch&uuml;tzen, dass Unbefugte auf eigene Dateien Zugriff haben? Eine gern und viel diskutierte Frage. Im Dezember sind kistenweise neue Akten angekommen, und wenn stimmt, was da drin steht, dann steht zumindest das BKA dem eher hilflos gegen&uuml;ber. </p> <p> Bei den Durchsuchungen am Tag der Festnahmen des aktuellen mg-Verfahrens, dem 31.7.07,&nbsp; sind auch auf Andrejs Rechner versch&uuml;sselte Dateien gefunden worden. Schon seit Monaten finden sich in den Briefwechseln der Bundesanwaltschaft (BAW) mit <a href="http://anwaeltinnen-kreuzberg.de/c_clemm.html">Andrejs Anw&auml;ltin</a> Sticheleien, dass das Verfahren sicher schneller vorank&auml;me, wenn er mal ein Passwort zu den verschl&uuml;sselten Dateien rausr&uuml;ckte. Nebenbei haben sie sich dann etwa ein Jahr sp&auml;ter auch selber daran gemacht, die Dateien aufzukriegen, konnten wir nachlesen. F&uuml;r den <a href="http://annalist.noblogs.org/post/2008/01/10/spucke-f-r-frau-harms">Abgleich der DNA</a> brauchen sie ja jetzt auch schon &uuml;ber ein Jahr, das geht alles nicht so schnell. </p> <p> Und was geschah dann? </p> <p> Das BKA bekam einen Tip vom Verfassungsschutz, dass es am Seminar f&uuml;r Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement der Uni K&ouml;ln den Professor Schoder gibt, der da vielleicht behilflich sein k&ouml;nnte. Dankenswerterweise (f&uuml;r's BKA) war auf dem Rechner auch Andrejs <a href="http://hp.kairaven.de/pgp/gpg/gpg2.html#seckey">privater Schl&uuml;ssel</a> gefunden worden (immer sch&ouml;n wegr&auml;umen!). So besprach sich das BKA mit dem Herrn Schoder und dessen Mitarbeiter Wundram, was zu tun sei. </p> <p> Herr Wundram, habe ich per Google herausgefunden, ist Referent f&uuml;r die Polizei NRW f&uuml;r IT-Sicherheits-Fortbildungen, vereidigter Sachverst&auml;ndiger f&uuml;r Computersicherheit und Computer-Forensik und <a href="http://www.heise.de/ix/">iX-Autor</a>. Bei einer Veranstaltung zum Thema&nbsp; &quot;Der gl&auml;serne Mensch&quot; hat er auch schonmal ein 'Life-Hacking' vorgef&uuml;hrt. </p> <p> Die beiden hatten im Grunde aber auch nichts besseres anzubieten, als die Passphrase zu raten, die n&ouml;tig ist, um mit dem Schl&uuml;ssel die verschl&uuml;sselten Dateien &ouml;ffnen zu k&ouml;nnen. </p> <p> Dazu gibt es halbwegs qualifizierte und vor allem automatisierte Verfahren, zu denen aber n&ouml;tig ist, den Menschen, dessen Passwort bzw. Passphrase geraten werden soll, einigermassen zu kennen. Wenn man wei&szlig;, was der/die gern hat, welche B&uuml;cher er oder sie liest, welche Lieder und Gedichte, Farben und Filme er oder sie mag, dann steigt die Chance, die Computer rauskriegen zu lassen, was das Passwort sein k&ouml;nnte. </p> <p> Der Herr Professor bot an, seinen Assistenten f&uuml;r ein paar Tage vorbeizuschicken, um erstmal die Lage zu eruieren. Zu einem einigerma&szlig;en happigen Stundensatz, ningelte das BKA im Bericht. Vor allem hat sie gest&ouml;rt, dass der Stundensatz f&uuml;r den Herrn Professor viel h&ouml;her sein sollte als f&uuml;r den Assistenten, obwohl der Professor gar nicht mitkommen, sondern bloss die Projektleitung innehaben sollte. Als Ergebnis sollten Erfolgsaussichten, Kosten und Dauer besser einsch&auml;tzbar werden. Eine &quot;gewisse Chance&quot; sei schon da, aber es w&uuml;rde sicher ganz sch&ouml;n dauern. F&uuml;r eine (!) Datei. </p> <p> Sp&auml;ter, nach der Sichtung, h&auml;tten die 'leistungsstarken Gro&szlig;rechner' der Uni K&ouml;ln dann Andrejs Privatangelegenheiten berechnen sollen. </p> <p> Nun h&auml;tten das auch die im BKA-Rechenzentrum f&uuml;r sowas vorhandenen Rechner machen k&ouml;nnen (ich schreib hier nicht, wieviele das sind, wer weiss, was das nach sich zieht. Aber viele sind es nicht). Die knappen personellen Ressourcen jedoch, und die Tatsache, dass die BKA-Rechner daf&uuml;r SEHR lange gebraucht h&auml;tten, lie&szlig;en wohl nach Alternativen suchen.&nbsp; </p> <p> Als n&auml;chstes haben die BKA'lerInnen dann beim <a href="http://www.bsi.bund.de/">BSI</a> nachgefragt. Die konnten auch nichts Neues beitragen: so allgemein ginge das nicht zu sagen, wie sicher PGP sei: das ist alles relativ (und h&auml;ngt z.B. von <a href="http://www.bsi.bund.de/gshb/deutsch/m/m05063.htm">Schl&uuml;ssell&auml;nge, L&auml;nge und Komplexit&auml;t des Passworts etc.</a> ab). Wenn das Passwort kurz sei, einfach oder 'nach einem simplen Schema' gebildet wurde, dann best&uuml;nde eine minimale Chance, mit Raten weiterzukommen. Daran w&uuml;rden dann auch 'sehr hohe Rechenkapazit&auml;ten' nichts &auml;ndern. </p> <p> Nun fand das BKA, dass es wirklich allein nicht weiterkommt, und beantragte bei der BAW, den Herrn Professor beauftragen zu d&uuml;rfen.&nbsp; </p> <p> Hmm, njaa, sagte der zust&auml;ndige Staatsanwalt. Aber nur, wenn es nicht zu teuer wird. Die professoralen Stundens&auml;tze m&uuml;ssten schon mit dem <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/jveg/index.html">JVEG</a> zu vereinbaren sein - und das waren die im ersten Kostenvoranschlag jedenfalls nicht. </p> <p> Was dann geschah, wissen wir nicht. </p> <p> (irgendwo, meine ich, stand auch, dass es quasi aussichtslos sei, wenn die Passphrase l&auml;nger als 8 Zeichen ist und Sonderzeichen enth&auml;lt, aber die Stelle finde ich nicht mehr. Wenn wir sie wiedergefunden haben, aktualisiere ich hier und mache das per <a href="http://twitter.com/annnalist">Twitter</a> bekannt.) </p> <p> &nbsp; </p> <p> <em>Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/theskorm/2770495012/">TheSkorm</a></em> </p> <p> &nbsp; </p> <p> &nbsp; </p> <p> &nbsp; </p> <p> &nbsp; </p> Annalist Sun, 04 Jan 09 02:58:08 +0100 http://infosyndikat.de#12114